Vollwertkost Gras
Als Futtermittel für Pferde haben Weidegras und Heu, bezogen auf den mengenmäßigen Verzehr, nach wie vor die vorrangigste Bedeutung. Um die Bedürfnisse unserer Pferde in den Hauptvegetationsmonaten ausreichend zu decken, sollte die Pferdeweide einen großen Artenreichtum an Kultur- und Wildgräsern, Kleearten und verschiedenen Kräutern besitzen.Gräser werden in Unter- und Obergräser eingeteilt. Untergräser besitzen mehr Blattmasse und Eiweiß, dafür weniger Rohfaser. Obergräser mit längeren Halmen haben einen geringen Eiweißgehalt dafür mehr Rohfaser. Allerdings sind Obergräser nicht so trittfest wie Untergräser. Die Nähr- und Wirkstoffgehalte sind sehr unterschiedlich. Der Kalziumgehalt ist oft sehr hoch, der Natriumgehalt durchweg sehr niedrig.
Im Durchschnitt liegt der Mineralstoffgehalt bei etwa: (g/kg Trockensubstanz)
Kalzium 4 - 6 Magnesium 1 - 2 Phosphor 3 Natrium 1 - 3
Der Rohnährstoffgehalt zu Beginn der Blüte liegt im Schnitt bei: (g/kg TS)
Rohasche 80 - 100 Rohprotein 140 - 170 Rohfaser 240 - 270
Zu den Futtergräsern bei den Untergräsern gehören u.a. das:
Deutsche Weidelgras (Lolium perenne)
ein typisches Kulturgras, das mit seinen zahlreichen Sorten fast überall zu finden ist. Es ist besonders tritt- und verbissfest. Außerdem verträgt es stickstoffreichen Boden recht gut. Es setzt Düngegaben effektiv um, bildet dichte Narben und wächst gut nach. Allerdings sollte verhindert werden, dass es zu stark verbissen und zu tief oder zu spät geschnitten wird. Weidelgras ist ein mehrjähriges Gras und wächst von März bis Oktober.
Wiesenrispe (Poa pratensis)
ist ein ausdauerndes, niedrig wachsendes und ertragsicheres Futtergras, weidefest und trockenheitsverträglich. Die Wiesenrispe bevorzugt lockeren Boden und vermehrt sich über unterirdische Ausläufer, die sie trittfest und auch recht frostverträglich macht. Narbenverletzungen kann diese Pflanze durch die Ausläufer sehr schnell schließen. Bei dieser Pflanze entwickeln sich jedoch die Samen nur sehr langsam und so sind Ansaaten sehr problematisch.
Rotschwingel (Festuca rubra)
hat eine große Verbreitung aus Standorten des Flachlandes wie der Höhenlagen, in lichten Wäldern und an trockenen Böschungen. Die geringen Ansprüche an Nährstoffe und Feuchtigkeit begünstigen die Verbreitung. Man sieht ihn quasi als Lückenfüller, denn er gewährleisteteine dichte Narbenbildung. Überständiger Rotschwingel wird jedoch von den Pferden nur ungern gefressen.
Zu den Obergräsern zählen das:
Lieschgras (Phleum pratense)
ein auf Wiesen und Weiden sehr häufiges und ertragreiches Futtergras, das schweres und nährstoffreiches Heu liefert. Es gedeiht am Besten auf mäßig feuchten, bis frischen Böden und ist besonders winterfest. In der Nutzungsreife ist es mittelfrüjh bis mittelspät. Häufigen Schnitt und Verbiß verträgt es schlecht. Mit einer Höhe von bis zu einem Meter ist es ein Riese unter den einheimischen Kulturgräsern. Während der Beweidung sollte man das Gras nicht zu hoch werden lassen, da es stark verholzt und von den Pferden dann nur noch ungern gefressen wird.
Wiesenschwingel (Festuca pratensis)
ist ein relativ anspruchsvolles, mehrjähriges, ertragreiches Gras von hohem Futterwert, das sich sowohl zur Mäh- als auch zur Weidenutzung eignet. Es verträgt aber keine Überweidung. Sein unterer Rispenast wird ca. 4 - 6 Jahre alt und bildet kurze unterirdische Triebe. Es gedeiht am Besten auf nährstoffreichen, frischen bis feuchtenLagen, verträgt allerdings auchTrockenperioden recht gut.
Knauelgras ( Dactylis glomerata)
ist ein relativ anspruchsloses, ausdauerndes Gras mit zeitigem Austrieb im Frühjahr. Die Horste sind ausladend und stark verdrängend auf weitere Arten. Wegen der frühen und raschen Entwicklung ist es oft überständig und wird nicht mehr gerne gefressen. Sonst ein hochwertiges und ertragreiches Gras, das auf trockenem bis feuchten Boden am Besten gedeiht und intensive Weidenutzung gut verträgt.
Zu den am häufigsten vorkommenden Kleearten zählt der:
Weißklee (Trifolium repens)
er gehört zur Familie der Leguminosen und hat die Eigenschaft über die Knöllchenbakterien in seine tiefreichenden Wurzeln den Luftstickstoff zu binden und für sich verwertbar zu machen. An den Boden und die Feuchtigkeit stellt Weißklee keine hohen Ansprüche. Er blüht von Mai bis September und vermehrt sich durch lange Ausläufer. Man findet ihn auf Pferdeweiden meist in Horsten, flächige Stellen in denen außer Klee kaum mehr etwas anderes wächst. Auf stark beweideten Flächen kann er sich rapide ausbreiten. Ein hoher Anteil an Klee auf der Weide wirkt sich allerdings negativ aus, da der Eiweißgehalt sehr hoch un der Rohfasergehalt sehr niedrig ist.
Blühende Kräuterweiden sind heutzutage selten zu finden. Die einzigen Kräuter die auf den meist überdüngten Wiesen noch wachsen, werden heute oft fälschlicherweise als Unkräuter bezeichnet. Aber auch sie erfüllen einen Zweck. Häufig anzutreffen ist der:
Löwenzahn (Taraxum officinale)
gehört zur Familie der Korbblüter, hat einen hohen Futterwert und wird von den Pferden sehr gerne gefressen. Er enthält Bitterstoffe, viele Mineralstoffe und Vitamine. Bei hohen Düngegaben verbreitet er sich allerdings sehr schnell und verdrängt die Futtergräser.
Brennesseln (Urtica dioica)
lieben Böden mit hohem Stickstoffanteil und Feuchtigkeit. Geilstellen auf der Weide werden von ihr rasch besiedelt. Stängel und Blätter enthalten die Vitamine A, C und K sowie Eisen, Kupfer und Magnesium. Die Brennessel wird von Pferden im frischen Zustand eher gemieden, getrocknet aber gerne aufgenommen.
Disteln (Carduus)
mögen gerne durchlässigen Boden und kommen auch sehr gut mit Sandböden zurecht. Sobald man die Disteln geschnitten hat, werden sie von den Pferden vorsichtig aufgenommen. Disteln enthalten in ihren Samen ein Öl, das einen hohen Gehalt an essentiellen, mehrfach ungesättigten Fettsäuren aufweist.
Bei den Kräutern liegt der Mineralstoffgehalt im Schnitt bei etwa: (g/kg TS)
Kalzium 16 - 19 Magnesium 4,5 - 5 Phosphor 3 - 4 Natrium 1,5
Der Rohnährstoffgehalt zu Beginn der Blüte liegt im Schnitt bei: (g/kg TS)
Rohasche 120 - 180 Rohprotein 160 - 230 Rohfaser 160 - 200
Der Futterwert der einzelnen Pflanzen sowie des Weidegrases insgesamt, schwankt allerdings nicht nur regional ganz erheblich, sondern verändert sich auch noch stetg im Laufe der Vegetationsperiode. Um den futterwert einer Weide zu ermitteln, empfiehlt es sich Futterproben einzuschicken, um evtuellen Mineralstoffmängeln vorzubeugen.
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