Die Fütterung von Jährlingen im Winter

Nachlässigkeit hat Spätfolgen

„Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“. Dieses alte Sprichwort gilt nicht nur für das Lernen in jungen Jahren, sondern im übertragenen Sinne auch für die Fütterung der Jährlinge. Gravierende Fehler in der Aufzuchtsfütterung können später nur schwer ausgeglichen werden und bieten gewisse Risiken. Leider wird den Youngstern im Altersabschnitt vom Absetzen bis zu drei Jahren oftmals nur wenig Bedeutung beigemessen. Einer der wichtigsten Meilensteine auf dem Weg zum Erwachsenwerden ist sicher die Fütterung. Deshalb hier ein paar Tipps zur Winterfütterung und Haltung.

Wachsen heißt die Devise

Bis zur Vollendung des 2. Lebensjahres legen die Jungpferde ein erstaunliches Wachstumstempo vor; starten sie bei der Geburt mit etwa 10 % des Körpergewichts ausgewachsener Pferde, erreichen die Absetzer mit etwa einem halben Jahr bereits fast 50% ihres späteren Endgewichts. Für Wachstumspausen ist danach noch keine Zeit; als Jährlinge erreichen Pferde bereits 60 % des Endgewichts und rund 80% der späteren Widerristhöhe. Im 2. und 3. Lebensjahr wird dann eine etwas langsamere Gangart vorgelegt. Nach etwa 3 Jahren haben Pferde zwischen 90 – 100% ihres Endgewichts erreicht und gelten mit rund 5 Jahren als ausgewachsen. Diese enormen Wachstumsleistungen fordern eine reichhaltige und ausgewogene Fütterung, besonders in den Wintermonaten. Doch wie viel und was sollte gefüttert werden?

Winterrationen für Jährlinge – etwas Kraftfutter kann nicht schaden

Nach der Aufstallung sollte die Ration aus Heu bzw. Silage, Saftfutter wie Futterrüben oder Möhren und Kraftfutter zusammengesetzt sein. Gutes, nährstoffreiches Rauhfutter ist hier die unverzichtbare Basis der Pferdefütterung, Richtmaß sollte mind. 1 kg, besser 1,5 kg Heu pro 100 kg Körpergewicht sein. Ausreichende Heumengen sorgen für eine gute Verdauung, Zufriedenheit beim Pferd und ein gleichmäßiges Abnutzen der Zähne.

Das rasante Wachstumstempo des ersten Jahres verlangsamt sich etwas, deshalb müssen die Kraftfutterergänzungen nicht mehr ganz so üppig ausfallen. Zur optimalen Versorgung mit essentiellen Aminosäuren, Energie und Mineralstoffen reichen konventionelle Heu/Hafer-Rationen allerdings nicht ganz aus. Die Kraftfutterzulage über ein spezielles Aufzuchtfutter sollte beibehalten werden. Als Empfehlung werden hier rund 0,5 – 1 kg Kraftfutter (Hafer, Aufzuchtfutter) pro 100 kg Körpergewicht gegeben.

Reichhaltige oder magere Rationen – das Mittelmaß macht`s

Die Fütterung, insbesondere die von Krippenfutter, nimmt auf das Wachstum starken Einfluss. Füttert man die Jungpferde eher restriktiv, sind ein langsames Wachstum und ein geringer Fettansatz die Konsequenz. Die Entwicklung wird dabei allerdings nicht unbedingt schlechter ausfallen als bei „besser“ gefütterten Tieren; die Endmaße (Widerristhöhe) werden von langsam wachsenden und gesunden Fohlen ebenso erreicht wie von intensiv gefütterten Fohlen, nur eben ein wenig später. Der genetische Code gibt in diesem Fall die Regeln des „Erwachsenseins“ vor. Intensive Aufzuchten bedeuten, dass die Entwicklung und Ausreifung von Weichegeweben (Muskulatur, Organe, Ansatz von Fettgewebe) nicht unbedingt mit einer ebenso maßgeschneiderten Skelettreifung einhergehen. Um die Fohlen bereits sehr früh in Verkaufskondition zu präsentieren, wird häufig eine hohe Aufzuchts-Intensität durch höhere Kraftfutter-Gaben angestrebt. Die mit der energie- und eiweißhaltigen Beifütterung verbundenen Zunahmen führen jedoch zu einer höheren Druckbelastung auf die Gliedmaßen, insbesondere in den knorpeligen Wachstumszonen.

Kraftfutter sparen lohnt sich nicht

Im Gegensatz zur intensiven Fütterung kann es bei einer verhaltenen Aufzucht passieren, dass die genetischen Möglichkeiten des Wachstums nicht voll ausgeschöpft werden. Abgesehen davon birgt ein „winterlicher Spartarif“ ebenfalls seine Tücken, wenn es um den üppigen Weidegang im Frühjahr und die damit verbundenen Wachstumsschübe geht. Die langen Röhrenknochen scheinen dann schneller zu wachsen als die Sehnen. Als Folge stellen sich erstmals bei den 6 – 12 Monate alten Fohlen Veränderungen der oberflächlichen und tiefen Beugesehnen ein. Auch der Mangel an essentiellen Aminosäuren, allen voran Lysin und Methionin, sind für junge Pferde ein Problem. Die Lysinzufuhr beeinflusst nicht nur das allgemeine Körperwachstum, sondern auch das der Knochendichte. Solche Aminosäuren sind in wirtschaftseigenen Winterrationen üblicherweise nicht in bedarfsgerechten Mengen vorhanden, so dass hochwertige Eiweißträger wie Magermilch- oder Sojaprodukte wichtige Versorgungslücken schließen.

Vitamine und Mineralstoffe im Winter

Im Winter spielt die Vitamin- und Mineralstoffversorgung eine wichtige Rolle. Wird ein Ergänzungsfutter in richtiger Dosierung zugegeben, ist der Bedarf in der Regel gedeckt. Wird nur Hafer und Rauhfutter gefüttert, sollte ein an den Bedarf angepasstes Mineralfutter gefüttert werden.

Doch VORSICHT, zu viele Vitamine und Mineralstoffe können schaden und wirken sich dann negativ auf die Knochenentwicklung und ihre Dichte aus.

Eine ausgewogene Fütterung mit angepassten Gehalten an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen sorgt für Vitalität, eine optimale Entwicklung und für ein stabiles Knochengerüst im späteren Leben.